Die Fünfzig, die du bei der Suche nach U7 Untersuchung Wörter überall findest, steht weder in der Vorschrift für die Vorsorge noch im Beobachtungsraster für Kinderarztpraxen. Sie stammt aus der Forschung, und sie ist keine Norm, die ein Kind verfehlt, sondern eine Schwelle, ab der genauer hingesehen wird.
Drei Quellen, drei Zahlen
Es sind drei Zahlen, die Verschiedenes messen. Die U7 liegt im 21. bis 24. Lebensmonat und verlangt wenigstens zehn richtige Wörter, Mama und Papa nicht mitgezählt, daneben drei Punkte, die mit Zählen nichts zu tun haben: Verstehen, Ablehnen, Zeigen auf benannte Körperteile. Die Grenzsteine der Entwicklung nennen zum 24. Monat zwanzig richtige Wörter außer Mama und Papa, dazu Zweiwortsätze wie „Mama komm“. Und die Fünfzig ist eine Falldefinition: Wer mit 24 Monaten unter fünfzig Wörtern bleibt oder keine Zweiwortkombinationen bildet, gilt als Late Talker — ein Name für eine Gruppe in Studien, kein Eintrag im gelben Heft.
Wie willkürlich diese Grenze ist, steht im Handbuch eines der Fragebögen offen: Über die Falldefinition gebe es keine Einigung, und der kritische Wert hängt vom Geschlecht des Kindes ab und vom Verfahren. Ein Kind mit achtundvierzig Wörtern ist deshalb nicht in einer anderen Lage als eines mit zweiundfünfzig.
Warum der Verlauf mehr sagt als die Summe
Zu dem frei verfügbaren Elternfragebogen gibt es eine Nachuntersuchung: Ein guter Teil der Kinder, die mit zwei unter der Grenze lagen, sprach mit drei unauffällig, und viele der Kinder, die mit drei auffielen, waren mit zwei im Bogen gar nicht aufgefallen. Ein unauffälliger Bogen ist keine Zusage, ein auffälliger kein Urteil. Fällt mit zwei etwas auf, ist in der Leitlinie kein Warten vorgesehen, sondern Hinsehen — innerhalb von drei Monaten, spätestens bis zum 27. Lebensmonat. Das ist eine Empfehlung, keine Pflicht, und deine Ärztin hat Spielraum. Angesehen wird, ob der Wortschatz wächst, ob Zweiwortkombinationen auftauchen und wie gut dein Kind versteht.
Wenn dein Kind mit mehr als einer Sprache aufwächst
Der Fragebogen wurde an einsprachig deutsch aufwachsenden Kindern geeicht und ist für ein mehrsprachig aufwachsendes Kind deshalb kein Maßstab. Was zählt, ist, wie sich alle Sprachen deines Kindes zusammen entwickeln. Der Rat in der Leitlinie lautet, mit deinem Kind in der Sprache zu sprechen, in der du dich wohlfühlst; „Sprecht zu Hause lieber Deutsch“ widerspricht ihr.
Was die Liste können muss
Hör auf, die Summe zu zählen — sie schwankt mit deiner Tagesform und mit der Frage, ob „hamham“ mitzählt. Führ die Liste mit Datum weiter: ein neues Wort, ein Datum daneben, dazu der Tag der ersten Zweiwortkombination und die Art der Wörter — nur Dinge oder auch auf, weg, aua, mehr. Trenn dabei Sprechen und Verstehen: Sag eine Aufforderung ohne Geste und ohne Blick zum Gegenstand — „Leg den Löffel in die Schüssel“. Am Verstehen entscheidet sich fachlich vieles, mehr dazu in Sprechen ist nicht Verstehen. Und geh nicht ohne den nächsten Zeitpunkt aus der Praxis: „Wann sehen wir noch einmal hin?“ macht aus Warten Beobachten.
Wann es nicht bis zum nächsten Termin warten sollte
Ich stelle keine Diagnosen und darf das auch nicht; was hier steht, ersetzt keine ärztliche Abklärung. Eine amtliche Liste von Warnzeichen gibt es nicht, weder in den Regeln zu den Vorsorgeterminen noch in den Leitlinien; was jetzt kommt, ist die Regel, nach der ich in meiner Beratung arbeite:
- wenn dein Kind Wörter verliert, die es schon konnte
- wenn es auf seinen Namen nicht mehr reagiert
- wenn es einfache Aufforderungen nicht versteht, auch ohne Geste und ohne Blick
- wenn du den Verdacht hast, dass es schlecht hört — nach dem Hörtest bei der Geburt wird das Gehör erst bei der U8 gemessen, also mit rund vier Jahren
- wenn die U7 vorbei ist und niemand einen Zeitpunkt für das nächste Hinsehen genannt hat
Die U7 ist kein Test, den dein Kind bestehen muss, sondern der Ort, an dem deine Liste gebraucht wird.
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